Lächelnde Frau in weissem Oberteil in einem hellen Büro

« In unsicheren Zeiten darf die Schweiz ihre Trümpfe nicht verspielen: Die Abkommen mit Mercosur und Malaysia müssen rasch umgesetzt werden. »

Freihandel als Trumpf in unsicheren Zeiten

28.07.2026

Auf einen Blick

  • Die Unsicherheit für Schweizer Unternehmen auf dem US-Markt bleibt bestehen.
  • Die Notwendigkeit, Absatzmärkte zu diversifizieren und Abhängigkeiten zu reduzieren, ist dringlicher denn je.
  • Eine rasche Inkraftsetzung der Freihandelsabkommen mit Mercosur und Malaysia muss Priorität haben, damit Schweizer Unternehmen von den zwei aufstrebenden, wirtschaftlich bedeutenden Regionen profitieren können.

Letzte Woche haben die USA die Ergebnisse der Section-301-Untersuchung zu angeblich ungenügenden Massnahmen gegen Zwangsarbeit veröffentlicht. Seit dieser Ankündigung gilt für Schweizer Importe in die USA neu ein Zusatzzoll von 12,5 Prozent. Gleichzeitig läuft eine weitere Section-301-Untersuchung zu strukturellen Überkapazitäten in industriellen Sektoren. Diese richtet sich gegen 16 Volkswirtschaften, darunter die Schweiz, die EU, China, Japan, Südkorea, Indien und mehrere südostasiatische Länder. Dabei wird geprüft, ob staatliche Praktiken oder Politiken zu strukturellen industriellen Überkapazitäten führen, welche den US-Handel belasten oder beschränken.

Unsicherheit bleibt der grösste Belastungsfaktor

Diese weitere Untersuchung zeigt exemplarisch, mit welchen Unsicherheiten die Schweizer Wirtschaft konfrontiert ist. Für die Unternehmen erschwert diese Unsicherheit die strategische Planung erheblich. Solange nicht klar ist, ob und in welcher Form zusätzliche handelspolitische Massnahmen folgen, bleiben Kosten, Lieferketten und Investitionsentscheide schwer kalkulierbar. Besonders exponiert sind Firmen, die stark vom US-Markt abhängen oder in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden sind. Weil die Schweiz jeden zweiten Franken im Ausland verdient, ist diese Abhängigkeit erheblich.

Diversifizierung ist wichtiger denn je

Eine breitere internationale Aufstellung erhöht die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Unternehmen gegenüber handelspolitischen Schocks. Wer Zugang zu mehreren Absatz- und Beschaffungsmärkten hat, kann Veränderungen bei Zöllen, Regulierungen oder Lieferketten flexibler auffangen. Gerade für eine offene Volkswirtschaft wie die Schweiz ist diese Handlungsfähigkeit zentral, um wirtschaftliche Risiken abzufedern und neue Chancen frühzeitig zu nutzen.

Diversifizierung ist deshalb nicht nur eine Frage zusätzlicher Wachstumschancen, sondern auch des Risikomanagements: Verschlechtert sich der Marktzugang, wie aktuell im Fall der USA, können Unternehmen auf alternative Absatzmärkte ausweichen. Ein breites Netz von Freihandelsabkommen stärkt daher die Versorgungssicherheit und die strategische Handlungsfähigkeit der exportorientierten Schweizer Wirtschaft.

Schweiz darf Trümpfe nicht verspielen

Mit den Freihandelsabkommen mit Mercosur und Malaysia hätte die Schweiz wichtige Trümpfe in der Hand. Sie schaffen verlässlichere Rahmenbedingungen und erleichtern den Zugang für Schweizer Produkte und Dienstleistungen in zwei wirtschaftlich bedeutenden Regionen, die zusammen über 300 Millionen Menschen und eine Wirtschaftsleistung von ca. 3,5 Billionen US-Dollar umfassen.

Damit stärken sie nicht nur einzelne Exportbranchen, sondern auch die Position der Schweiz als wettbewerbsfähiger und gut vernetzter Wirtschaftsstandort. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen US-Zollpolitik und der anhaltenden Unsicherheit über weitere handelspolitische Massnahmen ist eine rasche Inkraftsetzung der Abkommen heute wichtiger denn je. Es wäre der falsche Reflex, solche Abkommen auf die lange Bank zu schieben. Oft wird vergessen, dass in der Schweiz jeder zweite Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Export abhängt. Wer Freihandelsabkommen blockiert, gefährdet damit auch Arbeitsplätze und Wohlstand in unserem Land. Die richtige Antwort auf die wachsende Unsicherheit ist nicht Abwarten, sondern Handeln: Mercosur und Malaysia rasch genehmigen und in Kraft setzen. Nur so kann die Schweiz ihre Trümpfe ausspielen und ihre wirtschaftliche Handlungsfähigkeit stärken.

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