

Schweiz-Türkiye: Komplementäre Partnerschaft in global unsicheren Zeiten
08.05.2026
Auf einen Blick
- economiesuisse nahm mit einer Schweizer Wirtschaftsdelegation an der Gemischten Wirtschaftskommission Schweiz-Türkiye in Istanbul teil.
- In einem unsicheren geopolitischen Umfeld gewinnen stabile Wirtschaftsbeziehungen und die Diversifikation von Märkten an Bedeutung.
- Türkiye ist die 17. grösste Volkswirtschaft der Welt und bietet Schweizer Unternehmen bedeutende Opportunitäten – trotz hoher Inflation und anspruchsvoller Rahmenbedingungen.
Am 8. Mai 2026 nahm economiesuisse gemeinsam mit Schweizer Wirtschaftsvertretern an der 12. Gemischten Wirtschaftskommission (GWK) Schweiz-Türkiye in Istanbul teil. Die Sitzung wurde auf Schweizer Seite von Botschafterin Andrea Rauber Saxer, Leiterin Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen beim SECO, und auf türkischer Seite von Hüsnü Dilemre, Generaldirektor für internationale Abkommen und EU-Angelegenheiten im türkischen Handelsministerium, geleitet.
Wirtschaftsbeziehungen breiter abstützen
Die GWK fand in einem wirtschaftlich und geopolitisch herausfordernden Umfeld statt. Protektionistische Tendenzen, regionale Konflikte und steigende Energiepreise erhöhen den Druck auf offene Volkswirtschaften. Umso wichtiger sind verlässliche Partnerschaften. Türkiye baut ihre internationalen Beziehungen unter anderem mit den Golfstaaten, dem Vereinigten Königreich, Indonesien und Japan aus. Auch für die Schweiz bleibt Diversifikation zentral.
Eine wichtige Grundlage der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen bildet das Freihandelsabkommen zwischen Türkiye und der EFTA von 1992, das 2021 modernisiert wurde. Es war das erste Freihandelsabkommen, das Türkiye abgeschlossen hat.
Strategischer Markt mit langfristigem Potenzial
Für Schweizer Unternehmen ist Türkiye ein Markt von grosser strategischer Bedeutung. Das Land ist die 17. grösste Volkswirtschaft der Welt und G20-Mitglied. Es verbindet einen grossen Binnenmarkt mit einer Lage zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten. Dies macht Türkiye zu einem wichtigen regionalen Produktions-, Handels- und Investitionsstandort.
Hinzu kommt die starke Stellung türkischer Unternehmen im Bereich EPC (Engineering, Procurement and Construction). Türkiye zählt hier – nach China – zu den weltweit wichtigsten Herkunftsländern international tätiger Unternehmen. Dies unterstreicht die bedeutende Rolle des Landes bei grossen Infrastrukturprojekten.
Weitere Opportunitäten für Schweizer Firmen bestehen insbesondere in Digitalisierung, Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen und regionalem Handel. Rund 350 Schweizer Unternehmen sind heute in Türkiye tätig, darunter Roche, Nestlé, Geberit, Weidmann, ABB, Mettler Toledo oder Ammann. Im Jahr 2024 war die Schweiz die sechstgrösste ausländische Investorin in Türkiye. Schweizer Unternehmen waren für rund 20’000 Arbeitsplätze im Land verantwortlich.
Opportunitäten trotz struktureller Herausforderungen
Trotz dieses Potenzials bleiben die Rahmenbedingungen anspruchsvoll. Die hohe Inflation erschwert die langfristige Planungssicherheit. Zudem weist Türkiye weiterhin eine tiefe Quote ausländischer Direktinvestitionen auf und auch die Investitionen in Forschung und Entwicklung bleiben begrenzt. Dies spiegelt sich in relativ tiefen Ausfuhren hochwertiger Güter wider. Die türkische Regierung hat diese Herausforderungen erkannt. Präsident Erdoğan hat kürzlich ein umfassendes Investitionsanreizprogramm angekündigt.
Weitere Hürden bestehen bei regulatorischer Transparenz, Bewilligungsprozessen und nichttarifären Handelshemmnissen. Vereinfachte Zollverfahren und eine stärkere Angleichung an internationale Standards könnten den Wirtschaftsbeziehungen zusätzlichen Schub verleihen.
Konstruktiver Dialog im Pharmasektor
Ein besonderes Augenmerk galt an der GWK dem Pharmasektor. Schweizer Unternehmen leiden hier unter einer herausfordernden türkischen Preispolitik, insbesondere aufgrund eines veralteten Wechselkursmechanismus bei Medikamentenpreisen. Dies erschwert nachhaltige Marktbedingungen für innovative Medikamente.
Positiv ist deshalb, dass die türkische Seite anlässlich der GWK zugesichert hat, das Problem aktiv und unter Einbezug aller relevanten Akteure anzugehen. Ziel ist ein konstruktiver Dialog über Preismechanismen, um die Versorgungssicherheit im Medizinbereich in Türkiye langfristig zu stärken.
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