

« Je zahlreicher, komplexer und detaillierter das Regelwerk wird, desto mehr engt dies den Spielraum für die Unternehmen ein. »
Guido Saurer
Zu viele Regeln verderben das Spiel
14.07.2026
Auf einen Blick
- Schweizer Unternehmen müssen heute über 36'000 regulatorische Pflichten erfüllen – rund 12'000 mehr als noch vor 20 Jahren.
- Zu viel Regulierung bremst Innovation, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.
- Wer Spitzenleistungen will, muss Unternehmen vertrauen und ihnen genügend Freiräume für Innovation und Unternehmertum lassen.
Die Schweiz ist im WM-Fieber. Auch wenn es gegen Argentinien nicht zum Sieg gereicht hat, hat die Nati die Zuschauer begeistert. Sie hat seit 1954 wieder einmal einen Viertelfinal bei einer Weltmeisterschaft erreicht. Die Spiele an der Fussball-WM haben auch gezeigt, was für ein attraktives Spiel nötig ist. Es braucht ein paar klare Regeln. Ohne diese Regeln gäbe es kein faires Kräftemessen und keinen sportlichen Wettbewerb. Gleichzeitig lebt der Fussball von Kreativität, Spontanität und dem Mut, auch einmal etwas Unerwartetes zu wagen. Gibt es zu viele Regeln, werden solche Aktionen im Keim erstickt. Werden die Regeln zu kleinlich ausgelegt, dann kommt kein attraktives Spiel zustande.
Zu viele Regeln bremsen die Schweizer Wirtschaft
Genau dieses Gleichgewicht zwischen Regeln und Freiräumen braucht es auch in der Wirtschaft. Unternehmen sind auf klare Spielregeln angewiesen. Sie benötigen Rechtssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. Doch je zahlreicher, komplexer und detaillierter das Regelwerk wird, desto mehr engt dies den Spielraum für die Unternehmen ein. Gemäss dem neuen Monitoring für Regulierungsbelastung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) müssen Unternehmen heute über 36'000 Pflichten erfüllen. Das sind 12'000 Pflichten mehr als noch vor 20 Jahren. Hinzu kommen kantonale Vorschriften, Verordnungen, Weisungen und Meldepflichten. Diese Zahlen sind zweifellos ein Beleg dafür, dass das Regelwerk für die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wer noch etwas wagt, kassiert allzu oft eine Verwarnung. Und wie mit dem VAR im Fussball wird auch in der Wirtschaft jede Bewegung immer genauer überwacht. Wo früher der gesunde Menschenverstand genügte, verlangt man heute oft zusätzliche Nachweise, Dokumentationen und Kontrollen. Weshalb sollen Unternehmen noch den freien Raum attackieren, wenn sie dadurch riskieren, zurückgepfiffen zu werden, sobald sie nur in die Nähe des Abseits kommen?
Warum die Zahl der Regeln ständig zunimmt
Nicht jede Spielsituation kann im Voraus geregelt werden und nicht jeder Entscheid wird korrekt gefällt werden. Im Fussball müssen wir damit leben, dass es Fehlentscheide gibt. In der Politik fällt uns dies immer schwerer. Statt Fehler und Restrisiken hinzunehmen, reagieren wir häufig mit neuen Vorschriften. Zwei Gründe tragen besonders zu dieser Entwicklung bei:
- Schlechte oder unklare Regeln führen im Fussball oft zu neuen Regeln. So wird zum Beispiel die Auslegung der Handspielregel immer wieder angepasst. Was Klarheit schaffen soll, macht die Regelung aber häufig noch komplizierter. Ähnliches passiert in der Politik. Wird eine Vorschrift unklar formuliert oder zeigt sie unerwünschte Nebenwirkungen, folgt häufig nicht eine Vereinfachung, sondern zusätzliche Regulierung, die das Regelwerk noch komplexer macht.
- Im Fussball wird nicht selten noch Tage nach dem Spiel über eine einzelne Szene gestritten. Nach einem Fehlentscheid wird regelmässig diskutiert, ob neue Vorgaben nötig seien, um ähnliche Situationen künftig zu verhindern. In der Politik ist es nicht anders. Kommt es in einem Einzelfall zu einem Fehlverhalten, wird rasch nach einer neuen Vorschrift gerufen. Die neue Regel soll einen solchen Einzelfall künftig verhindern. Das Resultat ist ein über die Jahre immer dichteres Netz aus Vorschriften, Kontrollen und administrativen Pflichten.
Was die Schweiz vom Fussball lernen kann
Die Schweiz verdankt ihren Wohlstand nicht einem besonders dichten Regelwerk, sondern der Innovationskraft ihrer Unternehmen. Politik und Verwaltung sollten deshalb nicht jede neue Herausforderung mit zusätzlichen Vorschriften beantworten. Genauso wie ein Fussballspiel nicht durch immer neue Regeln besser wird, wird auch ein Wirtschaftsstandort nicht durch immer mehr Regulierung erfolgreicher. Wer Spitzenleistungen will, muss den Spielern vertrauen und ihnen den nötigen Freiraum lassen.
Passende Artikel
Newsletter abonnieren
Jetzt hier zum Newsletter eintragen. Wenn Sie sich dafür anmelden, erhalten Sie ab nächster Woche alle aktuellen Informationen über die Wirtschaftspolitik sowie die Aktivitäten unseres Verbandes.
