Cristina Gaggini

« Sich an Veränderungen anzupassen und sie sogar selbst herbeizuführen, ist auch heute noch unsere grösste Chance. »

Cristina Gaggini

Unsicherheit wird zur Normalität. Es liegt an uns, sie in eine Stärke zu verwandeln.

02.07.2026

Auf einen Blick

  • Unsere Exportunternehmen und ihre Zulieferer zeigen angesichts geopolitischer Spannungen und Protektionismus eine grosse Anpassungsfähigkeit.
  • Die Behörden müssen die Rahmenbedingungen sichern, die die Stärke unserer Wirtschaft ausmachen. Nur so können wir die Unsicherheit in eine Chance verwandeln.

Für viele Schweizer KMU ist der Export wesentlich komplexer, kostspieliger und unvorhersehbarer geworden. Handels- und Energiewege werden durch bewaffnete Konflikte destabilisiert, protektionistische Massnahmen breiten sich aus. Die Welt ist zunehmend fragmentiert, die Unsicherheit zur neuen Normalität geworden.

Für eine stark exportorientierte Wirtschaft, wie die unsere, ist dieser Wandel einschneidend. Geopolitische Spannungen bremsen das Wachstum, verteuern die Energie und wirken sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Konkret bedeutet dies für KMU höhere Kosten und mitunter schwierige Abwägungen. Viele müssen einmal mehr ihre Kunden beruhigen, ihre Lieferanten überprüfen und ihre Märkte diversifizieren. Und während sich der internationale Wettbewerb verschärft, müssen sie zudem mit dem starken Franken zurechtkommen.

Das liberale Schweizer Modell kann eine solide Stütze sein, sofern die Rahmenbedingungen verbessert werden.

Und doch zeigt das Schweizer Modell gerade in dieser instabilen Welt seine Stärke. Das verdanken wir der Anpassungsfähigkeit unserer Unternehmen und ihrer Mitarbeitenden. Sie verstärken ihre Anstrengungen, um sich neu auszurichten, neue Absatzmärkte zu erschliessen und im Premiumsegment zu wachsen. Denn wenn die Absatzmengen unsicher werden, entscheidet die Wertschöpfung. Die Schweiz exportiert nicht nur Produkte und Dienstleistungen, sondern auch Präzision, Qualität und Zuverlässigkeit.

Doch diese Anpassungsfähigkeit wird auf Dauer nicht ausreichen, um die sich verschlechternden Rahmenbedingungen hier in der Schweiz zu kompensieren. In einer Welt, die sich immer mehr abschottet, ist die Sicherung des Zugangs zu ausländischen Märkten mehr denn je ein strategisches Muss. Es ist beispielsweise unerlässlich, die Erosion des bilateralen Wegs mit der EU zu stoppen. Genau das ermöglichen die Bilateralen III. Dabei geht es um die Vorhersehbarkeit der Regeln, die gegenseitige Anerkennung von Normen und den reibungslosen Handel, aber auch um die Teilnahme an gross angelegten europäischen Innovationsprojekten.

Die Schweiz muss zudem die Erschliessung neuer Absatzmärkte durch Freihandelsabkommen vorantreiben, insbesondere mit wachstumsstarken Regionen wie den Mercosur-Staaten und Malaysia.

Schliesslich müssen unsere Bundes- und Kantonsbehörden den Abbau von Regulierungsaufwand zur Priorität machen. Jeder zusätzliche administrative Aufwand bindet Zeit, Ressourcen und Energie, die anderweitig sinnvoller investiert werden könnten: in Innovation, Mitarbeitende und die Unternehmensentwicklung.

Jede schwierige Zeit birgt auch Chancen

Die Neugestaltung des Welthandels eröffnet neue Wirtschaftskorridore. Die Energiewende, der industrielle Wandel und die technologische Transformation gestalten die Wertschöpfungsketten neu. Uns kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Die Schweiz verfügt nach wie vor über seltene Stärken: Stabilität, Glaubwürdigkeit und unternehmerischen Pragmatismus. Diese Eigenschaften gewinnen zunehmend an Bedeutung. Der wirtschaftliche Erfolg der Schweiz entstand nicht unter bequemen Bedingungen. Er gründet auf der Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen und diese sogar selbst herbeizuführen. Das ist auch heute noch unsere grösste Chance. Nutzen wir sie!

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