

« Die Wirtschaftsentwicklung in der Peripherie der EU verläuft viel dynamischer. »
Rudolf Minsch
Unser verzerrter Blick auf die EU-Wirtschaftsentwicklung
16.02.2026
Auf einen Blick
- Die Wahrnehmung in der Schweiz von der EU-Wirtschaftsentwicklung ist verzerrt.
- Es sind unsere Nachbarländer, welche eine schwache Wirtschaftsentwicklung hingelegt haben.
- Länder wie Dänemark, Polen oder Spanien zeigen, dass Wachstum auch in der EU möglich ist.
Die EU wächst stark unterdurchschnittlich. Insbesondere gegenüber den USA ist die Wirtschaftsentwicklung der EU katastrophal. Solche Aussagen finden sich doch relativ häufig in den Schweizer Medien. Die Folgerung daraus ist ebenfalls weit verbreitet: Die EU sei schuld daran, dass die Länder Europas so schlecht performen. Ein genauer Blick zeigt jedoch, dass die Wahrnehmung aus Sicht der Schweiz verzerrt ist. Betrachtet man die Wirtschaftsentwicklung der letzten drei Jahre, so zeigen sich grosse Differenzen zwischen der BIP-Entwicklung einzelner EU-Länder.
Die Abbildung zeigt das BIP-Wachstum zwischen dem ersten Quartal 2022 und dem vierten Quartal 2025. Dabei wird offensichtlich, wieso die Schweiz diesen Blick auf die EU hat: Es sind gerade unsere Nachbarländer, welche eine schwache Wirtschaftsentwicklung hingelegt haben. Während die französische Wirtschaft in den drei Jahren kumuliert (real, zu Preisen von 2015) immerhin etwa 4,5 Prozent zugelegt hat, beträgt dieses Wachstum in Italien noch 3,5 Prozent. Geradezu desaströs war die Entwicklung in Deutschland: Das Land verlor in den letzten drei Jahren rund 1 Prozent seiner Wirtschaftsleistung!
Die Schweizer Wirtschaft liefert rund ein Viertel ihrer Exporte nach Deutschland, Italien und Frankreich. Es ist offensichtlich, dass das schwache Wirtschaftswachstum unserer Nachbarländer die Schweizer Exporte belastet. Doch es gibt auch in der EU positive Beispiele: Die Wirtschaftsentwicklung in der Peripherie der EU verläuft viel dynamischer. In den letzten drei Jahren ist Polen real rund 6 Prozent gewachsen, Portugal fast 9 Prozent, Dänemark über 10 Prozent und Spanien gar über 11 Prozent. Es performen also bei weitem nicht alle Länder der EU schlecht.
Thomas Mann würde wohl das Adjektiv anämisch verwenden, mit dem der einweisende Arzt auf dem Zauberberg oft den Gesundheitszustand der Patienten beschrieben hat. Als blutarm. Das anämische Wachstum unserer Nachbarländer belastet die Schweiz. Es ist daher zu hoffen, dass Italien, Frankreich und Deutschland bald wieder in die Spur geraten. Länder wie Dänemark, Polen oder Spanien zeigen, dass Wachstum auch in der EU möglich ist.
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