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« Das Freihandelsabkommen mit Mercosur stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit in unsicheren Zeiten, verhindert Diskriminierung und schafft neue Wachstumschancen – bei verbindlichen Nachhaltigkeitsstandards. »

Luc Schnurrenberger

Mercosur-Abkommen: Ein strategischer Schritt für Schweizer Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz

25.02.2026

Auf einen Blick

  • Der Bundesrat hat die Botschaft zum Freihandelsabkommen EFTA–Mercosur ans Parlament überwiesen. economiesuisse setzt sich für eine rasche Genehmigung und Ratifikation ein.
  • Das Abkommen stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft, verhindert Zollnachteile gegenüber der EU und anderen Handelspartnern und spart jährlich rund 155 Millionen Franken.
  • Die Konzessionen tragen den Bedürfnissen der Landwirtschaft Rechnung. Gleichzeitig verbindet das Abkommen bessere Marktchancen mit verbindlichen Nachhaltigkeitsstandards.

Mit der Überweisung der Botschaft zum Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten, darunter die Schweiz, und Mercosur (Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay) ans Parlament beginnt die politische Entscheidungsphase. In einer Welt voller Handelskonflikte, geopolitischer Spannungen und fragiler Lieferketten gilt mehr denn je: wirtschaftliche Offenheit ist kein Risiko, sie ist die beste Versicherung für die Schweiz.

Das Abkommen öffnet Türen zu einem Markt mit rund 270 Millionen Menschen und stärkt die Beziehungen zu Brasilien, dem wirtschaftlichen Schwergewicht Lateinamerikas. Für Schweizer Unternehmen heisst das: mehr Absatzchancen, breiter abgestützte Risiken und stabilere Lieferketten. 

Gleiche Spielregeln statt Zollstrafe

Bislang haben sich die Mercosur-Märkte weitgehend abgeschottet: Schweizer Exporteure zahlen heute durchschnittlich rund 7 Prozent Zoll – in sensiblen Bereichen sogar bis zu 35 Prozent. Das verteuert Präzisionstechnik, Maschinen oder Pharmaprodukte unnötig. Mercosur ist längst kein Nebenschauplatz mehr für die Schweiz: Die Länder importieren Schweizer Waren im Wert von über 4 Milliarden Franken. Schweizer Unternehmen beschäftigen vor Ort über 100’000 Mitarbeitende. Mit dem Abkommen erhalten 97.6 Prozent der Schweizer Exporte Zollpräferenzen. Das spart jährlich rund 155 Millionen Franken. 

Noch entscheidender ist aber der Wettbewerbsaspekt: Ohne Abkommen droht eine Schlechterstellung gegenüber Partnern wie Indien oder Israel – und insbesondere gegenüber der EU. Kurz gesagt: Wer gleiche Spielregeln will, muss sie sichern. Gleichzeitig verschafft es der Schweiz vorübergehend sogar Vorteile gegenüber dem Vereinigten Königreich und den USA.

Mehr als Zollabbau: weniger Hürden, mehr Chancen

Das Abkommen reduziert technische Handelshemmnisse, erleichtert Dienstleistungen und Investitionen, stärkt den Schutz geistigen Eigentums und erhöht die Rechtssicherheit. Auch der Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen wird verbessert. Gerade für KMU bedeutet das weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit und bessere Marktzugänge.

Gleichzeitig sind die Konzessionen für die Schweizer Landwirtschaft verkraftbar. Die mit Mercosur vereinbarten Importkontingente sind klein oder entsprechen heutigen Mengen – ein Importboom ist somit nicht zu erwarten. Bei nachteiligen Importanstiegen greifen Schutzmechanismen und Schweizer Vorschriften zu Hygiene und Rückständen gelten weiterhin uneingeschränkt.

Hormone sind in allen Mercosur-Staaten verboten und Deklarationspflichten sorgen für Transparenz. Die Schweizer Landwirtschaft konkurriert also weiterhin über Qualität, Tierwohl und Rückverfolgbarkeit und nicht über den billigsten Preis.

Swissness schützen, Nachhaltigkeit sichern

Über 110 Schweizer Herkunftsbezeichnungen – etwa «Gruyère» – erhalten besonderen Schutz. Gleichzeitig verpflichtet das Abkommen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, zum Schutz von Wäldern und Biodiversität sowie zur Einhaltung grundlegender Arbeitsrechte. Die Umsetzung wird überwacht und Streitfälle können verbindlich geklärt werden. Damit werden die Swissness geschützt und gleichzeitig weitreichende Massnahmen zur Stärkung der Nachhaltigkeit ergriffen.

Fazit: Offenheit ist der Schlüssel zum Erfolg

Mit der Botschaft des Bundesrates liegt der Ball nun beim Parlament. Eine rasche Genehmigung liegt im Interesse von Wirtschaft, Arbeitsplätzen und Wohlstand. Das Abkommen stärkt die Wettbewerbsfähigkeit, verhindert Diskriminierung und schafft neue Wachstumschancen – bei verbindlichen Nachhaltigkeitsstandards.

Die wirtschaftliche Offenheit der Schweiz hat sich in der Vergangenheit ausbezahlt. Halten wir also an unserem Erfolgsmodell fest und stärken wir unseren Standort langfristig.

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