Mann im Anzug steht lächelnd in hellem Büroraum

« Je länger die Strasse von Hormuz geschlossen bleibt, desto stärker werden die Energiepreise steigen und damit auch die generelle Inflation. »

Rudolf Minsch

Inflation: Die Gefahr ist zurück

24.03.2026

Auf einen Blick

  • Erdöl bleibt ein zentraler Preistreiber: Steigende Ölpreise verteuern über Gas und Strom die gesamte Energieversorgung.
  • Die Teuerung wirkt entlang der Wertschöpfungskette: Höhere Energie- und Transportkosten schlagen auf Rohstoffe, Industrieprodukte und schliesslich auch auf Nahrungsmittelpreise durch.
  • Bleibt die Strasse von Hormuz länger gesperrt, erhöht sich das Risiko eines erneuten Inflationsschubs.

Der Krieg im Nahen Osten und die Sperrung der Strasse von Hormuz durch Iran hat die Erdölpreise rasant ansteigen lassen. Weshalb treibt der Erdölpreis immer noch die generelle Teuerung an, obwohl immer mehr Häuser mit Wärmepumpen geheizt werden und immer mehr Elektrofahrzeuge eingesetzt werden?

Erdöl ist weiterhin das Schmiermittel der Weltwirtschaft. In der Schweiz steuern Erdölprodukte fast 50 Prozent der gesamten Endenergienachfrage aller Energieträger bei. In der Tendenz zwar sinkend, aber der Anteil bleibt mit 45,7 Prozent (2024) hoch. Hinzu kommt, dass die Preise von Gas mit einem Anteil von 12,3 Prozent stark mit dem Erdölpreis zusammenhängen. Wenn nun die Gaspreise steigen, dann führt dies auch zu höheren Strompreisen. Elektrische Energie steuert weitere 26,7 Prozent zur Endenergienachfrage bei. Höhere Erdölpreise führen damit über kurz oder lang zu generell höheren Energiepreisen, unabhängig des Energieträgers.

Die Wirkungskette höherer Erdölpreise macht aber nicht bei den Energiepreisen halt. Logischerweise steigen die Transportkosten, aber nicht nur: Weil Energie als Inputfaktor von fast allen Waren- und Dienstleistungen eine Rolle spielt, verteuern sich von A wie Aluminium bis Z wie Zement die Rohmaterialen. Diese wiederum verteuern die Produktion von Maschinen, Textilien oder Autos. Schliesslich beeinflusst der Erdölpreis auch die Nahrungsmittelpreise.

Die folgende Abbildung zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelpreisen und Erdölpreisen. Neben steigenden Energiepreisen spielt in der landwirtschaftlichen Produktion vor allem der Einsatz von Dünger eine wichtige Rolle. Die Preise für das wichtige Düngemittel Phosphor reagieren sehr empfindlich auf höhere Energiekosten, weil Phospor häufig durch den Einsatz von fossilen Energieträgern gewonnen wird.

Ärmere Länder werden durch den Anstieg der Nahrungsmittelpreise viel stärker belastet als reiche wie die Schweiz, weil der Anteil, den Konsumenten für Nahrungsmittel ausgeben, am gesamten Haushaltsbudget in armen Gesellschaften viel höher ist.

Wenn die Strasse von Hormuz noch lange nicht passierbar bleibt, fehlt etwa ein Fünftel des international gehandelten Erdölangebots. Je länger die Strasse geschlossen bleibt, desto stärker werden die Energiepreise steigen und desto stärker wird auch die generelle Inflation ansteigen. Hoffen wir daher, dass die Strasse bald wieder frei befahrbar ist.

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