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Freihandelsabkommen EFTA-Mercosur: Positive Signalwirkung in geopolitisch unsicheren Zeiten 

19.03.2026

Auf einen Blick

Das Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und dem Mercosur wurde am 16. September 2025 in Rio de Janeiro unterzeichnet. Für Schweizer Firmen verbessert das Abkommen den Zugang zu einem Wachstumsmarkt mit über 270 Millionen Einwohnern. Das Abkommen baut hohe Zölle ab, verhindert eine Benachteiligung gegenüber der EU, erleichtert Investitionen und verankert verbindliche Nachhaltigkeitsregeln. In einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft trägt das Abkommen zudem massgeblich zur Diversifizierung und Resilienz der Schweizer Wirtschaft bei.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten (Schweiz, Norwegen, Liechtenstein, Island) und Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) eröffnet der Schweizer Wirtschaft einen verbesserten Marktzugang zu einem der grössten Wachstumsmärkte ausserhalb Europas.
  • Durch den Abbau hoher Importzölle werden mehr als 97 Prozent der Schweizer Exporte mittelfristig Zollerleichterungen erfahren. Dies stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportunternehmen. Gleichzeitig verhindert es eine Schlechterstellung gegenüber Partnern wie der EU, welche ein eigenes Abkommen mit Mercosur unterzeichnet hat.
  • Des Weiteren verbessert das Abkommen die Rechtssicherheit, stärkt den Schutz geistigen Eigentums und erleichtert Investitions- und Dienstleistungstätigkeiten.
  • Neben wirtschaftlichen Vorteilen enthält das Abkommen verbindliche Bestimmungen zu Arbeitsrechten, Umwelt- und Klimaschutz sowie nachhaltiger Ressourcennutzung. Es schafft damit einen institutionellen Rahmen, um Nachhaltigkeitsthemen im Zusammenhang mit Handel wirksam anzugehen.
  • In einem geopolitisch angespannten Umfeld trägt das Abkommen zur Diversifizierung der Handelsbeziehungen und zur wirtschaftlichen Resilienz der Schweiz bei. economiesuisse unterstützt deshalb eine rasche Genehmigung und Inkraftsetzung. 

Position economiesuisse

Das EFTA-Mercosur-Abkommen ist ein wichtiger Schritt für die Schweizer Aussenwirtschaft. economiesuisse setzt sich aus folgenden Gründen für eine rasche Genehmigung und Inkraftsetzung des Abkommens ein: 

  • Die Exportnation Schweiz erhält einen besseren Zugang zum südamerikanischen Markt mit grossem Wachstumspotenzial.
  • Hohe Zölle werden weitgehend abgeschafft und Wettbewerbsnachteile gegenüber Konkurrenten aus der EU und weiteren Märkten eliminiert.
  • Rechtssicherheit, Investitionsbedingungen und der Schutz geistigen Eigentums werden verbessert.
  • Das Abkommen verankert Nachhaltigkeit rechtsverbindlich mit klaren Verpflichtungen zu Klima-, Wald-, Meeres- und Biodiversitätsschutz sowie zu Arbeitnehmerrechten.
  • Das Abkommen fördert die Diversifizierung der Schweizer Handelsbeziehungen in einem geopolitisch unsicheren Umfeld. 
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Die fünf wichtigsten Punkte des EFTA-Mercosur-Freihandelsabkommens

1. Zugang zu einem strategisch wichtigen Markt

Mit über 270 Millionen Einwohnern bilden die vier Mercosur-Staaten zusammen einen der grössten Wirtschaftsräume weltweit. Die Länder des südamerikanischen Wirtschaftsbündnisses sind bedeutende Produzenten und Zulieferer von Agrargütern und Rohstoffen und spielen eine zentrale Rolle für Ernährungssicherheit, Industrie und Energiewende. Zugleich gewinnt Mercosur als Absatzmarkt und strategischer Partner Europas für diversifizierte Lieferketten weiter an Bedeutung.

2. Substanzieller Zollabbau

Die Mercosur-Staaten schützen ihre Märkte bis heute mit hohen Importzöllen. Mit dem Freihandelsabkommen werden über 97 Prozent der Schweizer Exporte schrittweise von Zollerleichterungen profitieren. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen deutlich gegenüber Konkurrenten ohne vergleichbare Handelserleichterungen.

3. Gleich lange Spiesse mit der EU

Ein rasches Inkrafttreten des Abkommens stellt sicher, dass Schweizer Unternehmen gegenüber den EU-Konkurrenten nicht benachteiligt werden. Die EU hat im Januar 2026 ein eigenes Abkommen mit Mercosur unterzeichnet und will dieses bereits vorläufig anwenden. In schnell wachsenden Märkten wie Mercosur zählt der frühe Einstieg: Erhalten ausländische Konkurrenten früher Zugang, geraten Schweizer Unternehmen ins Hintertreffen.

4. Signalwirkung in unsicheren Zeiten

In einer Zeit geopolitischer Spannungen und zunehmendem Protektionismus stärkt das Abkommen die wirtschaftliche Sicherheit der Schweiz. Es diversifiziert die Handelsbeziehungen, baut die Präsenz im strategisch wichtigen lateinamerikanischen Raum aus und vertieft die Beziehungen zu Schlüsselstaaten wie Brasilien.

5. Nachhaltigkeit verbindlich verankert

Das Abkommen enthält ein rechtsverbindliches Kapitel und eine Zusatzerklärung zu Handel und nachhaltiger Entwicklung mit Verpflichtungen zu Klimaschutz, Schutz von Wäldern und Meeren, Biodiversität sowie Arbeitnehmerrechten.

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Mercosur – wirtschaftliche und strategische Bedeutung

Ein grosser Markt mit wachsender Mittelschicht

«Mercosur» ist die Abkürzung für «Mercado Común del Sur» (gemeinsamer Markt des Südens). Seit seiner Gründung 1991 verfolgt Mercosur das Ziel, durch die Integration der nationalen Volkswirtschaften in den Weltmarkt einen gemeinsamen Raum für Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten zu schaffen.

Aufseiten des lateinamerikanischen Wirtschaftsbündnisses nahmen folgende Länder an den Verhandlungen mit den EFTA-Staaten teil:

  • Argentinien
  • Brasilien
  • Paraguay
  • Uruguay 
Grafik mit farbiger Südamerika-Karte und Bevölkerungszahlen der Mercosur-Staaten

Bolivien trat 2023 dem Mercosur bei und befindet sich noch in der Übergangsphase zur vollständigen Integration. Vom EFTA-Freihandelsabkommen kann das Land erst profitieren, sobald es die Zoll- und Handelsregeln des Mercosur vollständig übernommen hat. Die Mitgliedschaft Venezuelas ist seit 2017 suspendiert.

Grösse und Marktdimension 

Die vier Mercosur-Staaten umfassen rund 270 Millionen Einwohner. Damit bilden sie zusammengenommen die sechstgrösste Volkswirtschaft der Welt (nach Indien, China, EU, USA und Indonesien). Das Abkommen würde eine Freihandelszone mit fast 300 Millionen Menschen und einem kombinierten BIP von über 4.3 Billionen US-Dollar schaffen.

Rohstoff- und Agrarmacht

Mercosur zählt zu den weltweit wichtigsten Produzenten und Exporteure von Agrargütern (beispielsweise Soja und Rindfleisch) und spielt daher eine Schlüsselrolle bei der globalen Ernährungssicherheit. Die Region verfügt ausserdem über bedeutende mineralische Ressourcen (Eisenerz, Bauxit, Lithium und andere für Zukunftstechnologien wichtige Metalle). Für die Schweiz ist sie damit eine wichtige Bezugsquelle zur Sicherung industrieller Lieferketten und Reduktion einseitiger Abhängigkeiten.

Strategischer Wirtschafts- und Handelspartner

Als wachsender Absatz- und Investitionsmarkt und wichtiger Partner für Europa gewinnt Mercosur auch für die Schweiz zunehmend an Bedeutung. Der Markt trägt dabei insbesondere zur Diversifizierung globaler Lieferketten bei.

Einmalige Chance angesichts globaler Unsicherheiten

Die Unterzeichnung des Abkommens erfolgt für die Schweizer Aussenwirtschaft in einer Phase wachsender geopolitischer Spannungen, Handelskonflikte, eines starken Frankens und neuer Blockbildungen. Als exportorientierte Volkswirtschaft ist die Schweiz zunehmend auf diversifizierte und verlässliche Partnerschaften angewiesen. Vor diesem Hintergrund markiert das Abkommen einen wichtigen Meilenstein der Aussenwirtschaftspolitik.

Das Abkommen stärkt die wirtschaftliche Präsenz der Schweiz im strategisch wichtigen lateinamerikanischen Wirtschaftsraum, einer Region mit wachsender Bedeutung. Zugleich eröffnet es die Möglichkeit, strategische Partnerschaften zu vertiefen – insbesondere mit Brasilien, das sich zunehmend als einflussreicher globaler Akteur positioniert.

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Wie profitiert die Schweizer Wirtschaft?

Nach acht Jahren und 14 Verhandlungsrunden haben die EFTA- und Mercosur-Staaten am 16. September 2025 in Rio de Janeiro ein umfassendes Freihandelsabkommen (nachfolgend: FHA) unterzeichnet. Die EFTA-Website zum Abkommen (inklusive der Vertragstexte und Anhänge) finden Sie hier.

Beträchtliches Einsparpotenzial durch Abbau hoher Zölle

  • Mit dem FHA werden nach Ablauf der Übergangsfristen von vier bis maximal 15 Jahren mehr als 97 Prozent der Schweizer Ausfuhren in die Mercosur-Staaten Zollerleichterungen erfahren. Für den Grossteil resultiert mittelfristig Zollfreiheit.
  • Für einen kleinen Teil der Exporte erhält die Schweiz Teilkonzessionen in Form von Zollsenkungen und Zollkontingenten. Insgesamt bleiben weniger als drei Prozent der Ausfuhren vom Zollabbau ausgenommen.
  • Die Mercosur-Staaten erhoben bislang sehr hohe Zölle – im Durchschnitt rund sieben Prozent, mit Spitzenwerten von bis zu 35 Prozent. Da diese Zölle durch das FHA weitgehend entfallen, ergibt sich für die Schweizer Wirtschaft ein beträchtliches Einsparpotenzial von über 155 Millionen Franken pro Jahr, basierend auf den bisherigen Importen.
  • Damit bietet das FHA neben den Abkommen mit der EU und China das grösste Zolleinsparungspotenzial aller Schweizer Freihandelsabkommen und liegt in einem ähnlichen Bereich wie das Abkommen mit Indien.

Warum Zollsenkungen der Schweizer Bevölkerung zugutekommen

  • Das FHA senkt Zölle und erleichtert den Export von Schweizer Produkten. Unternehmen aus Branchen wie Maschinenbau, Pharma oder Präzisionstechnik können dadurch mehr verkaufen und weiterhin hohe Löhne am Wirtschaftsstandort Schweiz bezahlen.
  • Diese international erfolgreichen Firmen prägen das Schweizer Lohnniveau wesentlich, weshalb auch Betriebe ohne direkten Exportbezug profitieren. Mit einer starken Exportwirtschaft steigen Kaufkraft und Nachfrage im Inland, wovon etwa Bäcker, Handwerker oder Lastwagenchauffeure profitieren.
  • Gleichzeitig werden in die Schweiz importierte Güter und Vorprodukte günstiger, was Preise senkt und Haushaltsbudgets entlastet. Der Abbau von Zöllen trägt somit direkt und indirekt zum Wohlstand jedes einzelnen Bürgers bei.

Zollfreiheit für wichtige Schweizer Industriegüter

Im Industriebereich erhalten wichtige Schweizer Exportgüter (insbesondere Maschinen, pharmazeutische Produkte, Präzisionsinstrumente und Uhren) zollfreien Zugang zu den Mercosur-Staaten, teils mit Übergangsfristen.

Produktkategorie

Anteil der Importe in Mercosur aus der Schweiz, der durch das FHA von reduzierten Zöllen profitieren wird (in %)

(basierend auf der Mercosur-Importstatistik 2022–2024) 

Anteil der Importe in Mercosur aus der Schweiz, der durch das FHA zollfrei importiert werden kann (in %)

(basierend auf der Mercosur-Importstatistik 20222024) 

Chemie  
(Kapitel des Schweizer Zolltarifs 29 und 38)

97.6

96.8

Pharmazeutische Erzeugnisse (Kapitel 30)

99.9

99.9

Textilien (Kapitel 50–63)

63.9

63.5

Maschinen (Kapitel 84)

95.3

95.0

Elektrische Maschinen (Kapitel 85)

92.1

92.0

Präzisionsinstrumente (Kapitel 90)

96.5

93.9

Uhren (Kapitel 91)

99.8

99.8

Quelle: SECO

Schweiz erhält Exportkonzessionen von Mercosur im Agrarbereich

Die Schweiz erhält von den Mercosur-Staaten Exportkonzessionen unter anderem für Käse, Kaffee, Zuckerwaren, Schokolade, Biskuits, Energy-Drinks, Baby- und Kleinkindnahrung sowie Tabakprodukte. Viele dieser Erzeugnisse basieren auf Schweizer Agrarrohstoffen wie Milch, Weizenmehl und Zucker. Davon profitiert auch die Schweizer Landwirtschaft.

Produktkategorie

Präferenzielle Behandlung durch das FHA

Käse

Zollfreiheit innerhalb eines bilateralen Kontingents von 990 Tonnen ab Inkrafttreten (Mozzarella ausgenommen)

Röstkaffee

Zollfreiheit nach spätestens 8–10 Jahren

Energy Drinks

Zollfreiheit nach spätestens 15 Jahren

Bonbons

Zollfreiheit nach 15 Jahren

Tabakprodukte

Zollfreiheit nach spätestens 15 Jahren

Biskuits

40% Rabatt nach spätestens 10 Jahren

Weisse Schokolade

Zollfreiheit innerhalb eines bilateralen Kontingents von 1119 Tonnen nach spätestens 10 Jahren

Schokolade

Zollfreiheit innerhalb eines bilateralen Kontingents von 466 Tonnen für gefüllte Schokolade und 10'340 Tonnen für nicht gefüllte Schokolade nach spätestens 10 Jahren

Baby- und Kleinkindnahrung

Zollfreiheit innerhalb eines bilateralen Kontingents von 50 Tonnen ab Inkrafttreten

Quelle: SECO 

Eingeschränkte Konzessionen der Schweiz beim Agrarimport aus Mercosur

Für sensible Agrarprodukte wie Rindfleisch, Poulet und Wein gewährt die Schweiz den Mercosur-Staaten einen sehr eingeschränkten Marktzugang. Es wurden Konzessionen in Form von 25 bilateralen Kontingenten (ausserhalb der WTO-Kontingente) ausgehandelt.

Für verarbeitete Landwirtschaftsprodukte gewährt die Schweiz Konzessionen im Rahmen des Preisausgleichssystems des «Schoggigesetzes». Dieses gleicht höhere Schweizer Rohstoffpreise (z.B. für Milch oder Zucker) teilweise aus, damit Lebensmittelhersteller international konkurrenzfähig bleiben.

Take-away 1: Das FHA berücksichtigt die Interessen der Schweizer Landwirtschaft und wahrt bestehende Schutzmechanismen für sensible Produkte.

✔ Die meisten Kontingente sind klein (unter zwei Prozent des Schweizer Gesamtkonsums) oder entsprechen dem heutigen Importvolumen. Sie sind für die Schweizer Landwirtschaft daher tragbar. Es ist nicht mit einem Importschub zu rechnen. 

✔ Falls die im FHA gewährten Zugeständnisse unerwartet Probleme für die Schweizer Landwirtschaft verursachen, hat die EFTA einen wirksamen Schutzmechanismus ausgehandelt. Dieser ermöglicht es, die Zugeständnisse im Notfall vorübergehend auszusetzen. 

Zusätzlich kann die Schweiz im Rahmen des WTO-Agrarabkommens weiterhin besondere Agrarschutzmassnahmen anwenden (z.B. bei stark fallenden Preisen oder Importspitzen). Die EU hat diese Möglichkeit in ihrem Abkommen mit dem Mercosur (siehe unten) ausdrücklich ausgeschlossen. 

✔ Die Schweiz hat verschiedene Kennzeichnungspflichten, die sicherstellen, dass Konsumenten über die Herkunft und Produktionsbedingungen von Lebensmitteln informiert werden. 

FHA sichert Herkunftsschutz, TRIPS-Standards und Dialog beim geistigen Eigentum

  • Das FHA regelt zentrale Bereiche des geistigen Eigentums, darunter Marken, geografische Angaben («Swissness»), Urheberrechte und die Rechtsdurchsetzung. Es schafft mehr Rechtssicherheit und sieht teils höhere Schutzstandards vor als das TRIPS-Abkommen. Das ist für die innovationsgetriebene Schweizer Wirtschaft von zentraler Bedeutung.
  • Insgesamt werden 110 geografische Angaben und Ursprungsbezeichnungen der Schweiz durch das FHA besonders geschützt, darunter zahlreiche Käsespezialitäten (z.B. «Gruyère» oder «Sbrinz») oder beim Schweizer Wein.
  • Um weitere Verbesserungen im Bereich des geistigen Eigentums zu erreichen, haben die Vertragsparteien vereinbart, die Gespräche fortzusetzen. 

Mehr als nur Zölle: Erleichterungen bei Dienstleistungen und Investitionen

Das FHA bedeutet mehr als nur Zollerleichterungen. Es erleichtert auch den Marktzugang für schweizerische Dienstleistungserbringer und Investoren. Es werden ausserdem neue Möglichkeiten für Schweizer Unternehmen im öffentlichen Beschaffungswesen geschaffen. 

Keine Schlechterstellung gegenüber Konkurrenten aus der EU und weiteren Ländern

  • Die EU hat im Januar 2026 ihrerseits ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten unterzeichnet (siehe unten). Das FHA EFTA-Mercosur, verhindert eine Schlechterstellung von Schweizer Unternehmen gegenüber ihren Konkurrenten aus der EU.
  • Ohne ein vergleichbares Abkommen würden Schweizer Unternehmen Zollnachteile von bis zu 35 Prozent gegenüber EU-Konkurrenten erleiden. Eine solche Benachteiligung gilt es unbedingt zu vermeiden.
  • Neben der EU reduziert das Abkommen auch die Diskriminierung gegenüber Ländern wie Israel, Ägypten, der Südafrikanischen Zollunion (SACU) oder Indien, die bereits ein FHA mit Mercosur abgeschlossen haben.
  • In schnell wachsenden Märkten wie Mercosur ist ein früher Markteintritt entscheidend. Erhalten ausländische Konkurrenten früher Zugang, geraten Schweizer Unternehmen ins Hintertreffen – ein Nachteil, der sich später nur schwer wettmachen lässt.
  • Zudem verschafft es der Schweiz vorübergehend einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den USA und dem Vereinigten Königreich, die kein FHA mit Mercosur haben.

Freihandelsabkommen EU-Mercosur (Stand: März 2026)

Die EU- und Mercosur-Staaten haben am 17. Januar 2026 in Paraguay ein Freihandelsabkommen unterzeichnet.

  • Das Abkommen betrifft rund 20 Prozent des Welthandels und mehr als 700 Millionen Menschen. Damit würde die weltweit grösste Freihandelszone geschaffen. Für 90 Prozent der EU-Exporte in den Mercosur sollen die Zölle innerhalb von zehn Jahren wegfallen.
  • Das EU-Mercosur-Abkommen besteht aus zwei rechtlich getrennten Teilen: einem Handelsteil (insbesondere Zollabbau) und einem politischen Teil (Partnerschaftsabkommen). Während der politische Teil von allen nationalen Parlamenten ratifiziert werden muss, bedarf der Handelsteil grundsätzlich nur der Zustimmung der EU («EU-only»).
  • Der formelle Ratifikationsprozess ist derzeit verzögert: Am 21. Januar 2026 beauftragte das EU-Parlament den Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu prüfen, ob das Abkommen – insbesondere seine rechtliche Aufspaltung sowie die Ausgestaltung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbestimmungen – mit den EU-Verträgen vereinbar sei.
  • Am 27. Februar 2026 hat die EU-Kommission angekündigt, den Handelsteil (inkl. Zollsenkungen) trotz laufender EuGH-Überprüfung bereits mit Argentinien und Uruguay vorläufig anzuwenden. Die beiden Staaten hatten das Abkommen am Vortag ratifiziert.  

Take-away 2: Das EFTA-Mercosur-Abkommen ist anders ausgestaltet als jenes der EU. Eine rasche Genehmigung und Ratifikation liegt im Interesse der Schweizer Wirtschaft.

✔ Im Unterschied zum EU-Mercosur-Abkommen ist das EFTA-Mercosur-Abkommen ein einheitlicher Vertrag. Es gibt keine Aufteilung in zwei Teile. Eine Zuständigkeitsprüfung wie in der EU ist in der Schweiz daher nicht nötig. 

✔ Auch bei den Schutzmassnahmen für den Agrarsektor sind die beiden Abkommen unterschiedlich ausgestaltet. Die EFTA-Staaten haben von Beginn an eigene Schutzmechanismen verhandelt, welche ihre Landwirtschaft besser schützen. 

✔ Trotz laufender EuGH-Überprüfung will die EU-Kommission zentrale Teile ihres Abkommens vorläufig anwenden. Dadurch könnten Schweizer Unternehmen früher als die EU-Konkurrenz mit Marktnachteilen konfrontiert sein. Eine rasche Ratifizierung des Schweizer Abkommens liegt daher im wirtschaftlichen Interesse. 

Unabhängig vom EU-Vorgehen bleibt die Diversifizierung in einem geopolitisch unsicheren Umfeld zentral für die Resilienz der Schweizer Exportwirtschaft. 

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Handel und Investitionen Schweiz-Mercosur 

Grosses Exportpotenzial

Aktuell machen die Mercosur-Staaten einen Anteil von nur rund 1.4 Prozent der weltweiten Warenexporte der Schweiz aus. Die Region bietet daher ein grosses langfristiges Wachstumspotenzial für Schweizer Unternehmen.

Brasilien als unangefochtenes Zugpferd beim Handel

  • Während Schweizer Exporte in den Mercosur zwischen 2014 und 2020 stagnierten, verzeichnen diese seither eine ansteigende Tendenz. 2024 verzeichneten sie mit rund 4 Milliarden Franken (ohne Gold) einen zwischenzeitlichen Höchststand. Mit rund 3.1 Milliarden Franken ist Brasilien innerhalb der Mercosur-Staaten mit Abstand der wichtigste Absatzmarkt für Schweizer Exporte. Im Gegensatz zu fast allen anderen Märkten in der Region verzeichnet die Schweiz mit Brasilien einen Handelsüberschuss.
  • Mit rund 60 Prozent sind pharmazeutische Produkte das mit Abstand wichtigste Schweizer Exportprodukt. 

Wie bei den Exporten ist Brasilien auch bei den Einfuhren mit Abstand der wichtigste Mercosur-Partner der Schweiz. Die Schweiz führt aus den Mercosur-Staaten vor allem Kaffee, Tee und Gewürze ein, gefolgt von Fleisch und Gemüse.

Schweizer Milliardeninvestitionen und Tausende Arbeitsplätze

Schweizer Investitionen in den Mercosur-Staaten sind beträchtlich und belaufen sich auf insgesamt 21.2 Milliarden Franken. Schweizer Firmen generieren mehr als 100'000 Arbeitsplätze in Mercosur.

In Brasilien ist die Schweiz mit rund 15 Milliarden Franken die drittgrösste ausländische Investorin. Schweizer Firmen beschäftigen dort über 90'000 Personen. Auch in Argentinien gehört die Schweiz mit Investitionen in Höhe von 3 Milliarden Franken und mehr als 11'000 geschaffenen Arbeitsplätzen zu den wichtigsten Investitionspartnern.

Take-away 3: Obschon der Handel zwischen der Schweiz und Mercosur derzeit noch relativ gering ist, ist das FHA für die Schweizer Wirtschaft sehr wichtig.

✔ Der Mercosur ist ein wachstumsstarker Markt mit grossem Potenzial für Schweizer Exporte. 

✔ Zölle von durchschnittlich 7 Prozent (und bis zu 35 Prozent) verteuern Schweizer Produkte. Ihr Abbau spart jährlich über 180 Millionen Franken ein und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Unternehmen. 

✔ Das Abkommen verbessert den Zugang zu Dienstleistungen und öffentlichen Beschaffungen sowie den Schutz geistigen Eigentums. 

✔ Das Abkommen schafft Planungs- und Rechtssicherheit – das ist entscheidend für Schweizer Unternehmen im Ausland.

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Nachhaltigkeit und Verantwortung

Nachhaltigkeit und Verantwortung im EFTA-Mercosur-Abkommen

Im Rahmen des FHA haben die Vertragsparteien ein umfassendes, rechtsverbindliches Kapitel sowie eine Zusatzerklärung über Handel und nachhaltige Entwicklung beschlossen. Ziel ist es, wirtschaftliche Vorteile mit sozialen und ökologischen Standards in Einklang zu bringen.

  • Pflicht zur Umsetzung grundlegender Arbeitsrechte und sozialer Standards: Die Vertragsparteien verpflichten sich, die grundlegenden Arbeitsrechte gemäss der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) von 1998 zu achten, zu fördern und umzusetzen. Dazu gehören insbesondere die Förderung und Umsetzung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen und die Beseitigung aller Formen von Zwangs- oder Pflichtarbeit.
  • Klare Vorgaben in den Bereichen Umwelt-, Klima- und Biodiversitätsschutz: Umsetzung internationaler Umweltabkommen (z.B. Pariser Klimaabkommen), Förderung einer kohlenstoffarmen Entwicklung sowie Schutz von Wäldern, Biodiversität und indigener Völker.
  • Nachhaltige Ressourcennutzung: Massnahmen gegen Entwaldung, illegalen Holzschlag und Überfischung sowie Förderung nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährungssysteme.
  • Keine Standardsenkung: Keine Vertragspartei darf Umwelt- oder Arbeitnehmerrechte abschwächen, aussetzen oder Ausnahmen davon anbieten, um Handel oder Investitionen zu fördern. 

Zudem sieht das FHA einen speziellen Streitbeilegungsmechanismus vor: Zunächst finden Konsultationen zwischen den Vertragsparteien statt. Bleibt eine Einigung aus, kann ein unabhängiges Expertenpanel eingesetzt werden. Dessen öffentlicher Bericht mit Empfehlungen unterstützt die Beilegung der Streitigkeit. 

Take-away 4: Die Auswirkungen des FHA auf Klima und Umwelt bleiben insgesamt gering.

Modellrechnungen des World Trade Institute (WTI) von 2019 zeigen sehr geringe Effekte: Das FHA würde die Abholzung in den Mercosur-Staaten um 0.02 Prozent erhöhen, im schlimmsten Fall um 0.1 Prozent. Laut der Studie ist auf Basis aktueller wissenschaftlicher Evidenz jedoch von einem noch geringeren oder gar keinem Effekt auszugehen.  

✔ Gemäss WTI lägen die Treibhausgasemissionen 2040 mit dem FHA in der Schweiz um 0.1 Prozent höher, in den Mercosur-Staaten um 0.02 Prozent und weltweit um 0.0004 Prozent. Die Luftverschmutzung nähme in der Schweiz um 0.2 Prozent zu, während sie in den Mercosur-Staaten und global weitgehend unverändert bliebe. 

Insgesamt bleiben die Umweltauswirkungen gering, da das FHA bestehende Handelsströme umweltintensiver Produkte kaum verändert oder neue schafft. Diese Erkenntnisse werden durch eine aktuelle Studie des WTI von 2025 bestätigt. 

Take-away 5: Die Nachhaltigkeitsbestimmungen im FHA sind verbindlich und werden überwacht.

✔ Das FHA enthält ein verbindliches Nachhaltigkeitskapitel und eine Zusatzvereinbarung mit klaren Verpflichtungen – dazu gehören die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, die Verhinderung der Entwaldung oder der Schutz der Biodiversität. 

✔ Bei Streitfällen ist ein Expertenpanel vorgesehen. Dieses erstellt einen öffentlichen Bericht mit Empfehlungen zur Beilegung des Streitfalls. 

✔ Die Einhaltung der FHA-Bestimmungen (inkl. jener zur Nachhaltigkeit) wird regelmässig durch den gemischten Ausschuss überprüft. Die Zivilgesellschaft wird explizit in die Vorbereitung und Begleitung des gemischten Ausschusses einbezogen. Das schafft einen festen Rahmen, um Verstösse laufend zu thematisieren und nachzubessern. 

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Fazit: Erfolgsstrategie der Offenheit konsequent weiterführen

Mit der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen den EFTA-Staaten und den Mercosur-Ländern konnte ein bedeutender aussenwirtschaftlicher Meilenstein erreicht werden.

Nun liegt der Ball beim Parlament. Eine rasche Genehmigung und Inkraftsetzung des Abkommens liegt im Interesse von Wirtschaft, Arbeitsplätzen und Wohlstand in der Schweiz. Das Abkommen stärkt die Wettbewerbsfähigkeit, verhindert Diskriminierung und schafft neue Wachstumschancen – bei verbindlichen Nachhaltigkeitsstandards.

In einem geopolitisch zunehmend fragmentierten Umfeld trägt das Abkommen entscheidend zur Diversifizierung der Handelsbeziehungen und zur wirtschaftlichen Resilienz der Schweiz bei.

Die wirtschaftliche Offenheit hat sich für die Schweiz bisher ausbezahlt. Nun gilt es, dieses Erfolgsmodell konsequent weiterzuführen, Planungssicherheit zu schaffen und die langfristige Stärke unseres Wirtschaftsstandorts zu sichern.

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