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Public Health Index misst am Ziel vorbei

09.04.2026

Auf einen Blick

  • Der Public Health Index (PHI) vergleicht den Umsetzungsstand von Massnahmen zur Vermeidung nicht übertragbarer Krankheiten. Die Schweiz ist auf dem letzten Platz von 18 europäischen Ländern, obwohl sie die besten Gesundheitsindikatoren aufweist.
  • Der Public-Health-Indikator verfehlt sein Ziel, wenn Länder mit schlechter öffentlicher Gesundheit besser abschneiden als solche mit guter Volksgesundheit.
  • Die Schweiz muss Acht geben, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht ins Stocken gerät und ihr Gesundheitswesen leistungsfähig bleibt.

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Der Public Health Index (PHI) 2025 ist ein gemeinsames Projekt des AOK-Bundesverbands und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Der PHI vergleicht die Präventionspolitik in Europa und untersucht, wie gut Länder Massnahmen zur Vermeidung nicht übertragbarer Krankheiten umsetzen. Der Fokus liegt auf vier zentralen Risikofaktoren: Tabak, Alkohol, Ernährung und Bewegung.

Schweiz schneidet im PHI schlecht ab

Die Schweiz belegt im Ranking mit 18 europäischen Ländern den letzten Platz. Das liegt daran, dass gemessen wird, was ein Staat konkret unternimmt, um ungesundes Verhalten zu verhindern. Dazu zählen Verbote von schädlichen Produkten und Werbung, Steuern auf ungesunde Produkte wie Zucker, die Finanzierung staatlicher Präventionsmassnahmen, nationale Strategien und deren Umsetzung. Es handelt sich ausschliesslich um Inputfaktoren, die gemäss Präventionsstandards einen positiven Einfluss auf die Gesundheit ausüben sollen, um die Anzahl gesunder Lebensjahre in der Bevölkerung zu erhöhen und unnötig frühe Todesfälle zu vermeiden.

Schweiz bei vermeidbaren Todesfällen zuoberst im Ranking

Im Gegensatz dazu misst die OECD diesen Outputfaktor in Form von vermeidbaren Todesfällen. Dabei unterscheidet sie zwischen vermeidbaren Todesfällen, die man hätte behandeln können, und solchen, die man hätte vorbeugen können. Letztere sind für uns von Bedeutung.

Betrachtet man dieses Ranking, sieht es gerade umgekehrt aus: Die Schweiz hat von allen 18 untersuchten Ländern mit den wenigsten durch Prävention vermeidbaren Todesfällen am besten abgeschnitten. Im Vergleich zum Vereinigten Königreich, das beim PHI auf dem ersten Platz liegt, hat die Schweiz halb so viele Todesfälle, nämlich 80 pro 100 000 Einwohner (altersstandardisiert). Generell besteht kein Zusammenhang zwischen dem Rang im Public Health Index und dem Rang bei den vermeidbaren Todesfällen (vgl. Diagramm). Dafür gibt es zwei Erklärungen. Einerseits ist der Einfluss der Präventionsmassnahmen auf die öffentliche Gesundheit sehr gering. Selbst der Einfluss aller Gesundheitsmassnahmen beträgt laut verschiedener (Meta-)Studien lediglich gut 10 Prozent. Viel wichtiger sind genetische Faktoren, Umweltbedingungen und sozioökonomische Bedingungen. Das Verhalten ist zwar relevant, lässt sich aber mit staatlich verordneten Massnahmen nur ungenügend steuern, ohne dass es zu Einbussen bei anderen Einflüssen kommt. Das hat die Corona-Politik gezeigt. Grundsätzlich weisen wirtschaftlich erfolgreiche Länder gute Gesundheitsindikatoren auf. Zu diesen Ländern zählen neben der Schweiz auch Norwegen, Luxemburg und Schweden.

Eine zweite Erklärung könnte sein, dass Länder mit vielen vermeidbaren Todesfällen sich gezwungen fühlen, Präventionsmassnahmen zu ergreifen, um sich im OECD-Ranking zu verbessern. Betrachtet man diese für den Fall Grossbritannien, liegt das Vereinigte Königreich im neuesten „Health at a Glance 2025” unter dem OECD-Durchschnitt. Vor zehn Jahren lag es noch über dem OECD-Durchschnitt und verzeichnete 29 % mehr Todesfälle als die Schweiz. Heute gibt es fast doppelt so viele vermeidbare Todesfälle. Mit anderen Worten müssen andere Entwicklungen einen stärkeren Einfluss gehabt haben als die politischen Massnahmen im Präventionsbereich.

Schweiz muss sich und seinem Gesundheitssystem Sorge tragen

Wenn man auf dem ersten Platz liegt, hat man vieles richtig gemacht. Der häufige Reflex der Gesundheitspolitik, mehr Prävention sei die Lösung, greift ins Leere. Denn erstens verbessert sich die Schweiz laufend im Bereich vermeidbarer Todesfälle (um 20 Prozent in 10 Jahren) und zweitens ist eine noch schnellere Verbesserung auf hohem Niveau kostspielig. Wie das Beispiel Grossbritanniens zeigt, sind zwei Bereiche entscheidend: Erstens darf die wirtschaftliche Entwicklung nicht ins Stocken geraten und zweitens muss das Gesundheitswesen leistungsfähig bleiben. In beiden Bereichen hatte das Vereinigte Königreich in den letzten Jahren Probleme. Lange Wartezeiten bei den Behandlungen und ein niedriges Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum haben dazu geführt, dass sich die vermeidbaren Todesfälle erhöht statt reduziert haben. Und dies, obwohl das Land im Public Health Index auf dem ersten Platz steht! Die Schweiz sollte sich dies zu Herzen nehmen und nicht die gleichen Fehler machen. Dafür ist eine Entlastung der administrativen Tätigkeiten sowie ein nutzenorientierter Fokus auf die Leistungen statt einer Kostensteuerung erforderlich.

Streudiagramm mit Ländernamen, das Input- und Outputfaktoren in der Prävention vergleicht.

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